Betheln und umzu Schattenlinie



Kleiner „Dichterwettstreit“ zur Lesenacht

„Bilden Sie mal einen Satz mit …!“ So riefen im Jahre 2005 Robert Gernhardt und Klaus C. Zehrer Dichterkollegen und alle Interessierten zu einer kleinen Wort-Spielerei auf, die sprachliche Mehrdeutigkeiten entdecken und diese für humoristische Zwecke einspannen sollte. Ohne Angst vor Kalauern, Nonsens oder politischer Unkorrektheit!

Die Ergebnisse des „Wettstreits“ lassen sich in einem Büchlein nachlesen: „Bilden Sie mal einen Satz mit …! Ein Dichterwettstreit“ (Verlag Fischer).

Das lassen wir uns doch nicht dreimal sagen, oder? Ein Beispiel aus dem Buch? Bitte:
Bilden Sie mal einen Satz mit „Gemeinderat“!
Der Ratschlag „Nur mit Fön ins Bad!“,
der ist doch sehr Gemeinderat.
(Georg Raabe)
… gemein, der Rat – verstehste?

Oder was Eigenes? Na gut:
Bilden Sie mal einen Satz mit „Materialien“!
Im schönen Süditalien
gab's früher ma' Terjalien!

Das war inhaltlich Nonsens – oder es ist einfach schon seeehr lange her und wir kennen deshalb diese Terjalien nicht mehr … Aber sprachlich, und das heißt vor allem lautlich, funktioniert's!

Nebenbei bemerken wir, dass der geforderte SATZ in aller Regel ein gereimter Zweizeiler ist.

Die formale Korrektheit der Verse auf der einen Seite bildet so einen reizvollen Kontrast mit der zum Ausschöpfen der phonetischen Mehrdeutigkeit nötigen orthographischen Lässigkeit auf der anderen Seite … Aber das war ja klar.

Ein weiteres im Buch erfasstes Beispiel?
Bilden Sie mal einen Satz mit „Grabstein“!
Nimm bloß die Flossen weg da, Mann,
ich Grabstein Weib ja auch nicht an!
(Heinrich von Gyldenfeldt)
Der muss ohne Hilfe funktionieren ...

Bisher haben wir dazu diese Einsendungen erhalten:

Anchovis
Emanzen in der Pizzeria stöhnen:
„ANCHOVIS werden wir uns nie gewöhnen!“
(JK)

Savanne, Emir, Wüste
„In dieser Wanne bad' ich nich'!“
Ach, geh' mir fort, das wüsste ich.“
(MP)

Papaya
Der Vater drängt: „Nun komm', mein Sohn!“
Papaya wohl, ich eile schon.
(JK)

Intimsphäre
„Du werkelst alleine mit Muttern und Schrauben?“
„In Teams wäre ich besser, das kannst Du mir glauben!“
(JK)

Bausteine
„'s ist wahr, ich glaub, er hat's voll drauf!“
„So'n Quatsch, er bauscht eine Geschichte auf.“
(JK)

kollabieren
Ist die Sommerhitze da,
Cola Bieren Sohn und Pa.
(UB)

Reformhaus
Naht Weihnachten und Nikolaus,
steht überall ein Reh vor'm Haus.
(JK)

Bettstatt
Willst Du nach Dir selber suchen,
musst Du Tibet statt Cuxhaven buchen!
(MP)

dito, gleichfalls
Willst Du die Tomaten nicht versuchen,
kannst Du gleich Pfalz statt Toskana buchen.
(MP)

Bodensee
Es tut mir in der Seele weh,
wenn ich im Glas den Boden seh'.
(CK)

Bestatter
Willst Du das Glück beim Angeln suchen,
dann Elbe statt Apulien buchen!
(MP)

abfällig
Mein Freund, eines mag ich nicht:
wenn man apfelig über andre spricht.
(UB)

saure Torte
Geburtstag neuer Ferkel (alte Sorte!) -
der Eber: stolz, die Mutter Sau: Retorte!
(MP)

Elementarteilchen
„Was mit Minze?“, grübelt sie ein Weilchen,
dann kauft Gabriele Menta-Teilchen.
Denn beim Bäcker ihres Vollvertrauens
lockt schon ewig sie der Stoff des Grauens.
(MP)



Der Dank für die Einsendungen geht an: Jaqueline Kruppa (JK), Chantal Kruppa (CK), Michael Plitzko (MP) und Ulrich Blasberg (UB).

Wir freuen uns darauf, online noch mehr der von Euch und Ihnen gebildeten Sätze zu lesen und/oder zu hören!

Also: SCHREIBT SIE AUF UND SCHICKT SIE UNS!

und selbstverständlich: Bleibt gesund!

für den Arbeitskreis Lesenacht

Michael Plitzko
Plitzko(ät)Dorf-Betheln.de

Letzte Aktualisierung: 14.4.2021

Copyright © Dorfpflege Betheln - Eddinghausen - Haus Escherde e.V. · Ernst-Ulrich Blasberg 2021 · Impressum · Datenschutz